Highlight: Uranus in Zwillinge

Bereits am 07.07.2025 hat Uranus das Zeichen Zwillinge erreicht. Nach einer Phase der Rückläufigkeit, in der er in den Stier zurückgewandert ist, ist er am 26.04.2026 nun endgültig in die Zwillinge eingetreten.

Warum ist dies aus astrologischer Sicht etwas Besonderes? Zur Beantwortung dieser Frage lohnt es sich, einen Blick zurück in den Dezember 2020 zu werfen. Zu diesem Zeitpunkt standen Saturn und Jupiter in Konjunktion. Dies passiert alle 20 Jahre, aber nur alle 200 Jahre in einem anderen Tierkreiszeichen. In diesem Fall trafen sie sich im Wassermann (Element Luft) - und über dieses herrscht Uranus. Dieses Ereignis wird astrologisch als Epochenwechsel verstanden, denn das Treffen vor gut 200 Jahren fand im Zeichen Stier (Element Erde) statt. Die aktuelle Zeitqualität ist also seitdem durch den Wechsel der Elemente beeinflusst - von der Erd- zur Luftepoche. Mein Kollege Alexander Graf von Schlieffen hat hierzu dieses Buch veröffentlicht, mit dem du dich zu dieser Thematik weiter informieren kannst: Das astrologische Luftzeitalter

Zur Bedeutung des Tierkreiszeichen Stier lies gerne meinen Artikel "Der Tierkreis und der Jahreskreis: Die Stier-Phase". In der Erdepoche ging es damit verbunden im Kern um das Habenwollen, die Anhäufung von materiellem Besitz und die Abgrenzung von der (eigenen) Umwelt. Die Industrialisierung, Geldsysteme und Finanzmärkte, Ressourcen und Rohstoffe sowie die Ausbeutung der Natur sind weitere Kennzeichen dieser Phase. Ich möchte mich auf diese Stichworte beschränken; es gäbe dazu noch einiges mehr zu sagen.

Das Zeichen Wassermann steht im transpersonalen Quadranten des Ur-Tierkreises, d. h. es geht hier um Themen, die das große Kollektiv betreffen und über uns als Individuen hinaus gehen. Uranus steht als geistiger Planet, Herrscher dieses Zeichens und neuer Epochenherrscher u. a. für Erneuerung, Vernetzung, Technik, Visionen (aus der Vogelperspektive), Originalität, Freiheit und Erkenntnis. Er ist sozusagen der Daniel Düsentrieb (Gruß aus Entenhausen) unter den Planeten.

Das Zeichen Zwillinge ist ebenfalls dem Element Luft zugeordnet. Herrscher dieses Zeichens ist Merkur (griechisch: Hermes), der Götterbote und Gott der Händler, mit dem Flügelhelm und den Flügelschuhen. Bei ihm geht es u. a. um Denken, Lernen, und Kommunikation, aber auch um die körperliche Bewegung, die Raumergreifung in unserer näheren Umgebung. Weitere wichtige Merkmale sind seine Objektivität und Unvoreingenommenheit, die es uns ermöglichen, Dinge mit Abstand von (mindestens) zwei Seiten zu betrachten. In der Zeit vom 17.05.-02.06.2026 läuft er ebenfalls durch das Zeichen Zwillinge und leistet Uranus vorübergehend Gesellschaft.

Im bisher Gesagten lässt sich leicht erkennen, dass sich ähnliche Themen wiederholen und dadurch verstärken. Solche Effekte sind aus astrologischer Sicht immer besonders interessant. Was kann dieses Geschehen nun praktisch bedeuten? Hier ein paar Fragen zur Inspiration:

  • Wie denken, sprechen, lernen und bewegen wir uns in Zukunft (anders)? Wie gestalten wir unser Bildungssystem (neu)? Welche Formen von Mobilität werden sich (neu) etablieren?
  • Wie gehen wir mit der Fülle an Informationen und der schon jetzt erlebbaren Beschleunigung von Prozessen (im Kollektiv) um? Welche Informationen sind (noch) wahr? Woran können wir uns (noch) verlässlich orientieren?
  • Welche Rolle wird künstliche Intelligenz auf Dauer spielen? Welche weiteren technischen Innovationen warten noch auf uns?
  • Gestalten wir unsere Netzwerke ausschließlich digital? Welche Rolle spielt zukünftig der persönliche Kontakt?
  • Lassen wir zu, dass sich unsere Kommunikation weiter fragmentiert und (noch) anonymer und oberflächlicher wird?
  • Wie wird sich die Medienlandschaft (weiter) verändern?
  • Wie gehen wir anders als in der Erdepoche mit unserem Heimatplaneten und den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen um? 
  • Mit welchen Währungen bezahlen wir zukünftig (Stichwort: Kryptowerte)?
  • Wie steht es mit unserer Fähigkeit, aufmerksam zu sein - für das Geschehen und die Mitmenschen um uns herum? 

Uranus wird landläufig als Planet gesehen, der Umbrüche mit sich bringt und (gegen unseren Willen - darauf komme ich unten zurück) alles verändert und auf den Kopf stellt. Materielle Stabilität und Sicherheit werden in Zukunft möglicherweise nicht mehr selbstverständlich sein, zumindest aber eine andere Bedeutung gewinnen. Nicht Ressourcen, sondern Informationen sind der neue "Machtfaktor". Netzwerke und Kollaboration werden wichtiger als (patriarchale) Hierarchien. Statische Wahrheiten werden zu dynamischen Systemen. Wir leben quasi zugleich im Echtzeit- und im Update-Modus.

Für uns Menschen, die mit Veränderungen meist so ihre Not haben, bringt das Unsicherheiten oder sogar (Zukunfts-)Ängste mit sich. Klar ist (wie immer): Diese Entwicklung bietet Chancen, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Wir sind also (ausnahmslos) alle gefragt, wie wir uns dazu verhalten möchten. Dazu ist es hilfreich bzw. notwendig, innerlich einen Schritt zurückzutreten und etwas Distanz (ein Begriff, der sowohl zu Uranus als auch zu Merkur passt) zu gewinnen. Erst dann sind wir nicht mehr so sehr mit dem Alltagsgeschehen verwickelt und können selbstbestimmt(er) Entscheidungen treffen. 

Meiner Beobachtung nach leben viele Menschen überwiegend eher unbewusst - wie von einem Autopiloten gesteuert. Sie gewinnen genau diesen Abstand zum Geschehen und ihrem eigenen Verhalten nicht. Häufig resultiert daraus eine Opferhaltung; Sie fühlen sich wie ein Spielball den Umständen (diese empfindet jeder individuell anders) ausgeliefert. Es geht also zuerst einmal darum, welche Haltung wir einnehmen und wie wir es schaffen können, in diesen Zeiten des Wandels innerlich klar zu bleiben. Dazu passend ein Zitat von Viktor Frankl:

"Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit."

Zum Abschluss eine kleine Übung: Nimm dir, wenn du magst, mal einen Zettel und einen Stift und schreibe das Wort "Opfer" auf. Dann ergänze vor dem Wort ein "Sch" und mache zwei Striche über das O. Heraus kommt das Wort "Schöpfer". Dies führt uns zur mythologischen Geschichte von Uranus, in der dieser als Gott des Himmels immer wieder etwas neues erschaffen hat. Er steht damit für die Macht des Geistes, die wir (ausnahmslos) alle in uns tragen. Das Zeichen Wassermann, über das er herrscht, hat eine fixe Qualität. Es geht also nicht (wie oft vermutet) um radikale Veränderung um der Veränderung Willen, sondern um eine Form der Erneuerung, die eine neue Substanz schafft und die menschliche Entwicklung - individuell wie kollektiv - auf eine neue Stufe hebt.

Bist du bereit, diese Macht für dich und die Welt konstruktiv zu nutzen?