Wie ist deine Beziehung zur Beziehung?

Klingt diese Frage für dich abstrakt und vielleicht sogar etwas abgehoben? Für mich steht sie für etwas ganz Grundlegendes, dem sich kein Mensch im Leben entziehen kann.

Beziehung – bei diesem Wort denken die meisten Menschen vermutlich zuerst an eine Liebesbeziehung. Doch Beziehung ist sehr viel mehr, denn wir haben auch eine Beziehung zu vielen anderen Menschen, den Gegenständen, Tieren und der Natur, zu Beruf und Geld und letztlich auch zu uns selbst. Am Ende gilt wohl: Wir können gar nicht nicht in Beziehung sein. Wir sind in ständiger Beziehung mit allem was ist.

 Wenn es in der astrologischen Deutung um Beziehungen (i. d. R. zwischen Menschen) geht, dann richtet sich der Blick häufig zuerst auf die Venus, das Zeichen Waage sowie das "Beziehungshaus" 7 (der Deszendent). Dieses verkörpert dabei das Du bzw. das, was uns im Leben entgegenkommt (inklusive aller Projektionen). Es steht Haus 1 (dem Aszendenten) gegenüber. Dieses beschreibt im Kern unsere Grundhaltung sowie die Art, wie wir nach außen auftreten. Die Achse, die diese beiden Häuser im Horoskop bilden, wird daher auch Beziehungsachse genannt. Im Gegenüber wird etwas sichtbar, das wir allein häufig nicht erkennen können. Es wird uns zum Spiegel und zeigt uns etwas über uns selbst. 

Das, was wir dort sehen, kann angenehm sein. Wir begegnen einem Menschen und fühlen uns verstanden, gesehen und angenommen. Es kann aber auch unbequem werden, wenn jemand etwas in uns auslöst, das wir lieber nicht sehen möchten. Möglicherweise ärgern wir uns, fühlen uns verletzt oder provoziert. Wir entwickeln uns also nicht im luftleeren Raum, sondern brauchen Begegnungen und Beziehungen. Aus Beziehungen entstehen Erfahrungen. Aus Erfahrung entsteht Bewusstsein. Und aus Bewusstsein kann Entwicklung entstehen. Beziehungen sind deshalb nicht einfach ein angenehmer oder unangenehmer Teil unseres Lebens. Sie berühren aus meiner Sicht den Sinn des Lebens in seinem tiefsten Kern. Dies führt zur Ausgangsfrage zurück: Wie ist deine Beziehung zur Beziehung?

Lass die nun folgenden Impulse gerne in Ruhe auf dich wirken, um der Bedeutung dieser Frage nachzuspüren:

  • Wie möchtest du dich selbst zu den oben beschriebenen grundlegenden Zusammenhängen verhalten?
  • Betrachtest du Beziehungen als lebensnotwendiges Element oder im schlimmsten Fall sogar als lästiges Übel?
  • Bist du dir deiner Beziehungen umfassend bewusst oder liegt da eher einiges im Schatten?
  • Möchtest du Schöpfer sein, der sein Leben bewusst und autonom gestaltet oder eher ein Opfer, dass sich dem, was ihm im Leben begegnet, ausgeliefert fühlt?
  • Wie ist deine Beziehung zu dir selbst? Sorgst du du für deine eigene Entwicklung und reflektierst das, was dir im Spiegel gezeigt wird? 
  • Wie ordnest du dieses Geschehen ins große Ganze ein? Was dein Sinn im Leben? 

Der antike Mythos von den Kugelmenschen bei Platon erzählt davon, dass ursprünglich alle Menschen mal ganz waren, von Zeus geteilt wurden und seitdem ihr Leben mit der Suche nach ihrer anderen Hälfte verbringen. Für mich bedeutet das: Am Anfang von allem war alles eins. Diese Einheit (nenne Sie wie du magst Leben, Universum, Gott, etc.)  konnte in diesem Zustand keine Erfahrungen machen. Daher hat sich geteilt, um Beziehungen und Erfahrungen überhaupt erst zu ermöglichen und damit dem Leben einen Sinn zu geben. Gleichzeitig strebt alles, was ist, zur ursprünglichen Einheit (an die es sich auf einer tiefen Ebene noch erinnern kann) zurück. 

Fazit: Beziehungen sind nicht etwas, das wir haben. Wir benötigen sie, um uns (spiralförmig nach oben) entwickeln zu können. 

Jede Begegnung, egal ob mit Menschen, Tieren, der Natur, Meinungen, Gegenständen, dem Wetter, usw, kann uns etwas zeigen. Beziehung und die daraus entstehende Erfahrung ist Leben in Bewegung. Dieser Weg führt uns am Ende wieder dorthin zurück, wo wir ursprünglich herkommen: zur Verbindung.