Was bedeutet Transformation?

Für manche ist dieser Begriff (noch) nebulös und wenig greifbar. Für wieder andere ist er ein Modewort und/oder spiritueller Kitsch. Für mich ist er lebensimmanent und damit lebensnotwendig.

Das lateinische Wort "transformare" bedeutet auf Deutsch: umformen, umwandeln, verwandeln, umgestalten. Zerlegt in die Wortbestandteile ergibt sich: trans (= jenseits, hindurch, über, hinaus) und formare (= Gestalt, Form, Bild). Es geht also um einen Wandel von Formen und Strukturen derart, dass etwas Neues entsteht, was über die bisherige Form/Struktur hinausgeht.

Im psychologischen und astrologischen Kontext taucht in diesem Zusammenhang immer wieder der Begriff "Stirb-und-werde-Prozesse" auf. Dabei geht es um mehr als die Veränderung von etwas Bestehendem. Vielmehr ist gemeint, dass etwas Altes vergeht, seine Form verliert und daraus etwas Neues entsteht, das das Wesentliche des Alten aber noch in sich trägt.

Der Prozess, bei dem eine (hässliche) Raupe in einen (wunderschönen) Schmetterling verwandelt wird, ist wohl der Eindrücklichste und Bekannteste. Dieser ist biologisch mit Hilfe der Kernspintomografie (die einen Live-Einblick in die Puppe erlaubt) gut erforscht. Und gleichzeitig bleiben noch Geheimnisse, z. B. warum Schmetterlinge sich an Dinge erinnern können, die sie als Raupe gelernt haben. Es scheint also eine (höhere) Macht am Werke zu sein, die wir Menschen nicht vollständig ergründen können.

Ein anderes sehr bekanntes Bild ist das des Phönix aus der Asche. Dieser ist ein sagenhafter Vogel aus der antiken Mythologie, der für Erneuerung, Unsterblichkeit und Verwandlung steht. Die Vorstellung verbindet sich mit dem ägyptischen Benu-Vogel und wurde in der griechischen und römischen Überlieferung weiterentwickelt. Der Legende nach lebt der Phönix viele Jahrhunderte. Wenn seine Lebenszeit zu Ende geht, baut er ein Nest aus duftenden Zweigen, das sich entzündet und ihn verzehrt. Aus der Asche oder den Überresten entsteht ein neuer Phönix, der den Lebenszyklus von Neuem beginnt. Die Einzelheiten variieren je nach Überlieferung. Im frühen Christentum wurde der Phönix zum Sinnbild für Auferstehung und die Überwindung des Todes. Heute steht er vor allem für die Fähigkeit, nach einer Krise oder einem tiefgreifenden Umbruch zu neuer Kraft zu finden. Manchmal muss eine vertraute Gestalt des Lebens vergehen, damit etwas Neues entstehen kann. Was bleibt, ist nicht die alte Form, sondern das Wesentliche, das sich in einer neuen Gestalt entfaltet.

Bezogen auf unseren Lebensalltag kommt mir das Wort "Problem" in den Sinn. Es leitet sich vom altgriechischen Wort πρόβλημα (próblema) ab, das soviel bedeutet wie "das Vorgeworfene", "das Vorgeschobene" oder "das, was sich einem entgegenstellt". Ein Problem ist also etwas, das uns das Leben vor die Füße wirft. Nun versuchen wir Menschen diesen Hindernissen meist aus dem Weg zu gehen, indem wir darüber hinweggehen, sie umgehen oder uns von ihnen weg bewegen. Am Ende ist das Problem aber genauso da wie vorher. An dieser Stelle möchte ich Robert Frost zitieren: "The best way out is always through." (Der beste Weg hinaus führt immer hindurch.). Die Lösung liegt also darin, das Problem anzunehmen, mit allen Erfahrungen und Emotionen zu durchleben, um anschließend das „Gold im Schmutz“ zu finden. Wenn wir den Scheinwerfer mit Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit auf die Dunkelheit (unsere verdrängten Anteile, Schatten und Tabus) richten, verliert sie ihre Macht (über uns) und wir werden durch diese Art des Loslassens und der Weiterentwicklung reich beschenkt.