„Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl.“ - diesen Satz findet man heute beinahe überall, u. a. auf Postkarten, Kaffeebechern, Kalenderblättern und in den sozialen Medien. Er wurde so oft wiederholt, dass er inzwischen fast wie eine unumstößliche Wahrheit erscheint. Doch stimmt er überhaupt?
Ich glaube nicht, denn Gefühle sind vergänglich ... sie kommen und gehen. An einem Tag fühlen wir uns geborgen, am nächsten vielleicht einsam oder verloren. Würde Heimat lediglich auf einem Gefühl beruhen, dann müssten wir sie ständig verlieren und wiederfinden. Für mich ist Heimat jedoch etwas Dauerhaftes.
In der Astrologie wird der Begriff Heimat traditionell dem Zeichen Krebs und in Analogie dazu Haus 4 zugeordnet. Es ist naheliegend, dabei zunächst an Familie, Herkunft, Elternhaus oder den Ort, an dem man aufgewachsen ist, zu denken. Dazu scheint dieser ebenfalls recht bekannte Spruch zu passen: "Vergiss nie die Heimat, wo deine Wiege stand, denn in der Ferne findest du kein zweites Heimatland."
Demach wäre Heimat gleichzusetzen mit Herkunft. Doch auch das greift aus meiner Sicht zu kurz, denn denn nicht jeder Mensch fühlt sich dort zuhause, wo seine Wiege stand. Manche Menschen verbringen ihr ganzes Leben an einem Ort und fühlen sich dennoch fremd. Andere ziehen in eine neue Stadt, ein anderes Land oder sogar auf einen anderen Kontinent und erleben dort ein tiefes Gefühl des Ankommens. Deshalb ist es aus meiner Sicht angemessen, Herkunft und Heimat voneinander zu unterscheiden.
Wenn Heimat weder Gefühl noch Ort ist, was ist sie dann? Für mich ist sie etwas Tieferes; sie entsteht dort wo wir
- mit unserem eigenen Wesen verbunden sind,
- uns nicht verbiegen müssen,
- uns selbst nicht verlassen und
- mit dem in Kontakt stehen, was wir im tiefsten Inneren sind.
Das innere Kind, das wir einst waren und das heute noch in uns lebt, spielt dabei eine wichtige Rolle, denn unsere ersten Erfahrungen von Sicherheit, Geborgenheit und Zugehörigkeit prägen unser späteres Erleben von Heimat. Werden diese Bedürfnisse verletzt, suchen wir oft im Außen nach etwas, das wir eigentlich in uns selbst wiederfinden müssen. Haus 4 im Horoskop beschreibt genau diesen inneren Grund. Es zeigt die Wurzeln unserer Seele, unsere frühen Prägungen und die Frage, worauf unser inneres Fundament gebaut ist.
Meine These lautet daher: Die Frage nach der Heimat ist letztlich die Frage nach dem Nach-Hause-Kommen. Dabei gibt es verschiedene Formen dieser Heimkehr. So kommen wir z. B. nach Hause wenn wir
- nach einem langen Arbeitstag oder einer Reise wieder unsere Wohnung betreten und merken: das Zuhause war immer in uns selbst,
- mit Menschen zusammen sind, bei denen wir uns nicht verstellen müssen und verstanden fühlen,
- nach einer Krise wieder zu unserer inneren Mitte finden und aufhören, uns selbst zu bekämpfen,
- nach jahrelanger Suche nach uns selbst zur eigenen Wahrheit finden,
- im kreativen Schaffen ganz bei uns und im gegenwärtigen Moment sind,
- in der kontemplativen Stille einer Meditation ganz bei uns selbst ankommen,
- abends in uns selbst ruhend einschlafen,
- am Ende unseres Lebens sterben.
Und manchmal erleben wir Heimat sogar mitten in der Natur. Nicht weil diese an sich unsere Heimat wäre, sondern weil wir dort leichter mit uns selbst in Verbindung kommen. Ich könnte also z. B. meine Couch in den Wald stellen und mich dort (trotzdem) zu Hause fühlen. Früher konnte ich mich selbst auch in einer regelmäßigen Skatrunde mit guten Freunden heimisch fühlen. Nicht wegen des Ortes oder der Tätigkeit, sondern weil dort etwas geschah das tiefer reichte: Ich war bei mir.
Heimat gleicht also eher dem Boden unter unseren Füßen. Sie ist die bleibende Verbindung zu unserem eigenen Sein. Dies ist gleichzeitig der Ort, an dem unser inneres Kind nicht mehr um Anerkennung kämpfen muss. Manchmal spüren wir sie deutlich und manchmal verlieren wir den Kontakt zu ihr, doch sie verschwindet deshalb nicht. Sie wartet darauf, wiederentdeckt zu werden. Dabei können dir die folgenden Leitfragen eine Unterstützung sein:
- Wo findest du Halt, wenn alle äußeren Sicherheiten wegfallen?
- Wo bist du zuhause, wenn kein vertrauter Ort mehr vorhanden ist?
- Wo findest du dich selbst?
Nach-Hause-Kommen und Heimat finden bedeutet letztlich, wieder bei sich selbst anzukommen ... ein wenig so, wie Kleiner Tiger und Kleiner Bär in Janosch's schöner Geschichte "Oh, wie schön ist Panama!".













