Neugier: Verbindung oder Grenzverletzung?

Ich frage mal ganz direkt: Bist du neugierig (und möchtest z. B. weiterlesen)? 

Die Mythologie erzählt, das schon der neugeborene Merkur (Herrscherplanet der Zwillinge) direkt am ersten Lebenstag aus seiner Wiege stieg und die Welt erkundete. So kennen wir es in der Realität von Kleinkindern, die sich aufmachen, die Welt zu be-greifen, indem sie alles anfassen, in den Mund nehmen und vorurteilsfrei von allen Seiten betrachten. Im Tierkreis folgen die Zwillinge dem Zeichen Stier. Da wo dieser noch damit beschäftigt ist, sich abzugrenzen, z. B. indem er einen Zaun um sein Grundstück zieht, schauen die Zwillinge über denselben, wollen wissen, was in der näheren Umgebung los ist und mit anderen in Kontakt treten.

Neugier ist also ein Anteil, der in uns allen schlummert, unabhängig davon wie diese Anlage individuell konkret ausgeprägt ist (hier hilft der Blick ins Horoskop). Sie ist eine Form von Intelligenz und geistiger Beweglichkeit, ohne die wir kaum in der Lage wären, die Vielfalt der Welt wahrzunehmen, Dinge in Beziehung zu setzen und Muster zu erkennen. Sie ist essentiell, weil sie uns in Bewegung hält und neue Türen zu neuen Gedanken, Perspektiven und Erfahrungen öffnet. Sie ist ein Motor von Lernen, Beziehung und Bewusstsein.

Im Alltag wird dieser Begriff oft negativ konnotiert. Möglicherweise deshalb, weil ein anderer Mensch mit seiner Neugierde zu tief in unsere Privatsphäre (Folgezeichen Krebs) eindringt und/oder zu wenig Gespür für emotionale Grenzen zeigt. Wir sind dann vorsichtig und wollen nicht, dass über uns z. B. getratscht und gelästert wird. Manchmal ist es uns auch zu schnell und direkt. Neugierige (und ggf. gleichzeitig geschwätzige) Menschen wirken oft etwas flatterhaft, reizüberflutet und sprunghaft. Möglicherweise ist Neugier auch ein Abwehr- oder Fluchtreflex, um anderen (unangenehmen) Themen und Aufgaben, die sich uns stellen, auszuweichen.

Sie ist also ein menschliches Phänomen, dass sich einer eindeutigen Bewertung entzieht. Sie kann warm und verbindend sein und im nächsten Moment sogar verletzend wirken. Sie nicht nur eine innere Haltung, sondern auch ein sozialer Akt, der Kontakte zu anderen entstehen lässt und gleichzeitig unsere Beziehungen beeinflusst. Das Spannungsfeld entsteht also nicht zwangsläufig durch die Neugier an sich, sondern durch ihre Richtung und das Timing. Sie braucht Freiheit, um lebendig zu sein und gleichzeitig Begrenzung und Sensibilität für das Gegenüber. Nicht jede Frage muss gestellt werden und nicht jede Information ist sofort zugänglich. Manchmal zeigt sich die Qualität der Neugier gerade darin, etwas nicht (jetzt) zu fragen, sondern der Entwicklung Raum zu geben.

Werfen wir zum Schluss noch kurz einen Blick auf das Zeichen Schütze, das den Zwillingen gegenüber steht. Der Herrscherplanet ist hier Jupiter. Gemeinsam mit Merkur steht er für die Anteile in uns, die die Wahrnehmung ausmachen. Jupiter geht hier aber einen Schritt weiter. Seine Aufgabe ist es u. a., die durch Merkur (nur um der Information Willen) aufgenommenen Informationen in einen Rahmen zu setzen, zu ordnen und zu bewerten. Dazu gehört auch, Ihnen einen Sinn zu verleihen oder diesen in ihnen zu entdecken. Hier geht es um Weiterentwicklung, (höhere) Weiterbildung und Integration in unser Selbst. 

Fazit: Es braucht - wie immer in dieser polaren Welt, in der wir leben - bei allem ein stimmiges Maß. 

Wenn du dem für dich persönlich näher auf den Grund gehen möchtest, stehe ich dir mit meinen Angeboten gerne zur Verfügung.