German Angst: Nörgler, Pedanten, Bedenkenträger?

Die Deutschen gelten als vorsichtig, gründlich und sicherheitsorientiert. Sie wollen es genau wissen, machen sich Gedanken über mögliche Risiken und fragen lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nach. Daraus entsteht schnell das Bild des Deutschen als Nörgler, Pedant und Bedenkenträger. 

Mir kam dieses Thema anlässlich des in diesem Monat anstehenden Wechsels der Sonne in die Jungfrau in den Sinn, weil ich dieses Zeichen (neben vielen positiven Aspekten) u. a. mit Begriffen wie Vorsicht, Zurückhaltung und Angst in Verbindung bringe (nähere Informationen dazu findest du hier).

Ein Blick in die Horoskope anlässlich der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 sowie der Wiedervereinigung mit der ehemaligen DDR im Jahr 1990 zeigt natürlich ein viel komplexeres Bild. Und doch gibt es in beiden diverse Faktoren, die zeigen, das am weit verbreiteten Klischee auch ein Funken Wahrheit ist.

Mir geht es an dieser Stelle nicht um eine genauere Analyse dieser Horoskope. Vielmehr möchte ich zu einem Perspektivwechsel einladen, denn viel zu schnell werden die Begriffe des Klischees meiner Beobachtung nach von vielen Zeitgenossen (im In- und Ausland) übernommen und als unverrückbare Tatsachen betrachtet. Überprüfe gerne, ob dies auch für dich selbst zutrifft.

Doch vielleicht sollten wir genauer hinschauen. Hier ein paar Denkangebote:

  • Vorsicht ist nicht dasselbe wie Angst.
  • Genauigkeit ist nicht dasselbe wie Pedanterie.
  • Ein Nörgler kann destruktiv sein, aber auch sehen, was nicht funktioniert und Missstände aufdecken. 
  • Wer Risiken erkennt, kann Schäden verhindern. 
  • Wer genau hinschaut, entdeckt Fehler, die anderen entgehen. 
  • Sicherheitsbedürfnisse können Entwicklung bremsen, aber auch die Grundlage dafür schaffen, dass etwas dauerhaft trägt.
  • Wer Regeln ernst nimmt, schafft Verlässlichkeit. 
  • Wer sich Gedanken über die Folgen seines Handelns macht, übernimmt Verantwortung. 
  • Angst vor Fehlern kann lähmen, aber auch aufmerksam machen.
  • Aus Bedenklichkeit kann Umsicht entstehen.  

Das, was häufig an der "German Angst" negativ gesehen wird und den ein oder anderen nervt, ist möglicherweise eine gesellschaftliche Ressource. Ich sehe eine Parallele zum Begriff "Made in Germany". Mit diesem wurden deutsche Produkte nach dem zweiten Weltkrieg gekennzeichnet, um sie gewissermassen zu ächten. Als aber in den nachfolgenden Jahren bewusst wurde, von welcher Qualität viele Produkte waren, wandelte es sich zu einem Gütesiegel.

Manchmal wiederholt sich Geschichte. Es bleibt also die Frage: Was machen wir aus dem, was uns gegeben ist?