Kennst du das auch? Du bist voller Elan und Tatendrang, möchtest etwas bewegen und dann ... kommt es anders.
An einem Samstagmorgen in der letzten Stiermond-Phase im März saß ich morgens mit einer Tasse Kaffee gemütlich auf der Terrasse. Wie passend, dachte ich mir und alles war fein. Dann fiel der Blick auf den nach dem Winter noch nicht bearbeiteten Garten mit einem noch viel zu hohen Rasen und Laub in allen Ecken. Mein Widdergeist war passend zur gleichzeitig vorherrschenden Stimmung des astrologischen Jahresbeginns geweckt. Das durfte natürlich nicht so bleiben. Also: Besen aus der Laube geholt und ran ans Werk. Alles lief gut und die Rückkehr in den bequemen Stuhl auf der Terrasse war nicht mehr weit. Doch dann ... ein falscher Schritt in ein Luftloch aufgrund einer Bodenunebenheit ... Hexenschuss. Sofort war mir klar, dass nun mindestens zwei Wochen lang (es waren am Ende drei) vieles langsamer (und schmerzhafter) sein würde. Der geplante 10-Kilometer-Laufwettkampf in Venlo, auf den ich mich gefreut und vorbereitet hatte, musste schweren Herzens abgesagt werden.
Die (wieder mal neue) Erkenntnis: Manchmal ist das so. Wir sind in Aufbruchstimmung, haben einiges vor und plötzlich zwingt uns "das Leben" zur Langsamkeit.
Offen gestanden bin ich solchen Situationen früher schnell auf die Palme gegangen, habe mit dem "Schicksal" gehadert und über die Ungerechtigkeit des Lebens geflucht. Im Laufe der Jahre hat sich das, einhergehend mit meinem persönlichen Entwicklungsprozess (und zunehmendem Alter) verändert. Im Ergebnis wurde ein Perspektivwechsel möglich, der in der Ruhe und Langsamkeit eine echte Qualität erkennbar machte.
Dazu gehörte auch, dass ich im Zusammenhang mit meiner astrologischen Ausbildung die Stiermond-Phase (der Mond läuft bei einer Umlaufzeit von rd. 29 Tagen alle 2,5 Tage durch ein anderes Tierkreiszeichen) kennen und schätzen gelernt habe. Ich mag mittlerweile die gemächliche und ruhige Stimmung, die sich dann breit macht, sehr. Sie hilft mir, bei den Dingen, die gerade anstehen, Schritt für Schritt voran zu kommen. Und das entgegen meiner Astro-App, die jeden Monat stur aussagt, dass mir als Widder-Geborenem diese Zeit eher weniger schmecken wird, weil vieles einfach zu langsam geht.
Will Bowen beschreibt es in seinem Buch "Einwandfrei" (völlig unastrologisch) sinngemäß so: Dort, wo er sich lange Jahre über vor ihm (aus seiner Sicht) zu langsam fahrende Autos aufgeregt hat, übt er sich später in solchen Situationen in Gelassenheit. Er betrachtete dieselben (!) Autos nun als "Pace-Cars", deren Aufgabe die Entschleunigung und Sicherung ist, und passte sich bereitwillig ihrem Rhythmus an. Es ermöglichte ihm, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie gerade sind.
Im Laufe der Zeit gewann für mich in diesem Zusammenhang die Frage, was uns Menschen wirklich Substanz (ein Stier-Begriff) gibt, zunehmend an Bedeutung. Oder anders gefragt: Was ist wirklich von Wert?
Um eine Antwort zu finden, lohnt sich ein Blick auf die sprachliche Herkunft dieses Begriffes. Er stammt vom lateinischen Wort substantia, das sich zusammensetzt aus sub (= unter, darunter, von unten her) und stare bzw. stantia (= stehen). Wörtlich bedeutet es also "das Darunterstehende". Substanz ist also das, was trägt, zugrundeliegt und bestehen bleibt. Im alltäglichen Sprachgebrauch assoziieren wir es oft mit Begriffen wie Grundlage, Talente, Fähigkeiten, Grundstück, usw.
Es geht also daraus abgeleitet auch um Werte (dazu gehört auch der Selbstwert), Besitz und Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Mir fällt in diesem Kontext das biblische Gleichnis von den anvertrauten Pfunden ein. Kurzversion: Drei Männer erhalten von ihrem Herrn jeweils dassselbe Startkapital, um damit zu wirtschaften. Einer vermehrt es und der zweite sogar noch mehr. Der Dritte aber vergräbt es im Boden, um es lediglich zu verwahren und zu erhalten. Damit zieht er sich den Zorn seines Herrn zu, der es ihm nimmt und den anderen beiden gibt. Er wirft ihm u. a. vor, dass er es nicht wenigstens zur Bank gebracht hat, damit es Zinsen bringt.
Wir können aus dem bisher Gesagten lernen, dass wir aufgefordert sind, unsere Substanz, also u. a. unsere Werte, Talente und Ressourcen so einzusetzen, dass sie einen Mehrwert für uns und andere bringen. Für mich ergibt sich daraus auch, dass es ein Unterschied ist, ob sich jemand als reich oder als vermögend bezeichnet. Der erste Begriff hat aus meiner Sicht einen eher monetären Aspekt, der das Verhalten des Verwahrens aus dem Gleichnis repräsentiert. Der andere hingegen verdeutlicht, dass wir vermögen (!), aus dem, was uns gegeben ist, etwas zu machen ... langsam aber sicher ... Schritt für Schritt.













