Das Leben ist zutiefst zyklisch und mich fasziniert es immer wieder, wie die Astrologie und Entwicklungen in der Natur miteinander harmonieren.
Die Sonne wandert am 23.09.2026 in das Zeichen Waage. Der Herbst hat nun begonnen und die Natur erreicht mit der Tagundnachtgleiche einen erneuten Wendepunkt.
Während in der Jungfrau-Phase das Ordnen, Prüfen, Ernten und bewusste Umgehen mit den vorhandenen Ressourcen im Vordergrund standen, richtet sich die Aufmerksamkeit nun stärker auf die Beziehung zwischen den Dingen. Es geht um Ausgleich, Harmonie und die Frage, wie unterschiedliche Kräfte miteinander in Einklang gebracht werden können. Das Leben möchte nicht mehr nur unterscheiden und ordnen, sondern auch verbinden, vermitteln und ausgleichen. Was zuvor für sich betrachtet und verbessert wurde, tritt nun in Beziehung zu seiner Umwelt. Es handelt sich also um eine nach außen gerichtete, verbindende und zugleich abwägende (und dadurch auf paradoxe Weise manchmal auch distanzierte) Energie.
Die Tage werden nun spürbar kürzer; Tag und Nacht sind um die Herbst-Tagundnachtgleiche noch einmal nahezu gleich lang, bevor die Dunkelheit allmählich die Oberhand gewinnt. Das Licht verändert sich und die tiefstehende Sonne mit ihrer spürbar schwächer werdenden Kraft lässt die Landschaft zunehmend mit immer länger werdenden Schatten in warmen und weichen Farben erscheinen. Die Bäume ziehen wertvolle Nährstoffe aus ihren Blättern zurück und lagern sie ein. Die Blätter beginnen sich dadurch zu verfärben und fallen später herab. Auf den Feldern ist die Ernte weitgehend eingebracht, in den Gärten wird aufgeräumt und die Natur bereitet sich auf die kommende Ruhephase vor. Viele Pflanzen stellen Wachstum und Blütenbildung ein und beginnen, ihre Kräfte zurückzuziehen. Samen werden reif und durch Wind, Wasser oder Tiere verbreitet (aus Wachstum wird Weitergabe und damit die Vorbereitung einer neuen Generation von Leben). Die Landschaft verliert an Dichte und wird transparenter. Zugleich entsteht eine besondere Schönheit: Herbstblumen blühen, Spinnennetze glitzern im Morgenlicht und die bunten Blätter verändern das Erscheinungsbild der Umgebung. Die Natur scheint noch einmal ihre ganze Schönheit zu zeigen, bevor sie sich zurückzieht. Gleichzeitig werden die Unterschiede zwischen Licht und Dunkelheit, Wärme und Kälte, Wachstum und Rückzug immer deutlicher. Zugvögel machen sich auf den Weg in wärmere Regionen und viele Tiere stellen sich auf die kommende kalte Jahreszeit ein. Bei den Hirschen beginnt die Brunftzeit (Sicherung des Nachwuchses) und die Insekten verschwinden aus unserem Blickfeld. Die unbeschwerte Fülle des Sommers ist endgültig vorbei. Es ist die Zeit, in der sich zeigt, dass nichts für sich allein existiert. Alles steht miteinander in Beziehung und beeinflusst sich gegenseitig. Die Natur scheint uns daran zu erinnern, dass Leben immer auch Begegnung, Wechselwirkung und Balance bedeutet. Die gesamte Lebensgemeinschaft verschiebt sich als Netz von Beziehungen im gesamten Ökosystem. Während die Natur äußerlich beginnt, sich zurückzuziehen, wird an anderer Stelle intensiv in die Zukunft investiert. Das Leben verschwindet also nicht, sondern verlagert seine Prioritäten und erreicht eine neue Entwicklungsstufe. Es beginnt die Zeit, in der das bisher (individuell) Gewachsene seinen Platz im größeren Ganzen finden muss.
Dementsprechend lässt sich der Waage-Archetyp (Archetypen = Urbilder der Menschheit) z. B. als harmoniebedürftig, diplomatisch, partnerschaftlich, gerecht, vermittelnd oder beziehungsorientiert beschreiben. Doch alles in der Welt hat zwei Seiten und so kann es auch sein, dass z. B. ein eher konfliktscheues, unentschlossenes, angepasstes, oberflächliches oder kontrollierendes Verhalten zu beobachten ist.
Ohne diese Energie gäbe es keine Bereitschaft, Beziehungen einzugehen (nicht nur zu Menschen), unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen und das Schöne und Kultivierte im Leben zu erkennen und zu pflegen. Es gäbe keine Fähigkeit, andere Perspektiven zu berücksichtigen und keinen bewussten Sinn für Gerechtigkeit und Ausgewogenheit. Sie steht mit Venus, als dem Zeichen Waage zugeordnetem Herrscherplaneten, für
- Harmonie, Ausgleich und das Streben nach innerem und äußerem Gleichgewicht,
- die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen und gegeneinander abzuwägen,
- Begegnung, Beziehung und die Bereitschaft, auf andere Menschen einzugehen,
- Diplomatie, Vermittlung und den Wunsch nach einem fairen Miteinander,
- Schönheit, Ästhetik und die Fähigkeit, Harmonie in der äußeren Welt wahrzunehmen und zu gestalten,
- Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und das Bewusstsein für die Bedürfnisse des Gegenübers.
Es geht im Kern darum, das zuvor im Zeichen Jungfrau Geordnete und Verfeinerte in Beziehung zur Welt zu bringen und einen angemessenen Platz zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen anderer zu finden. Dies entspricht dem kardinalen, d. h. initiierenden Charakter dieses Zeichens ebenso wie dem zugehörigen Element Luft. Es sagt: „Ich begegne!“, „Ich gleiche aus!“, „Ich verbinde!“
Im Symbol des Tierkreiszeichens lässt sich eine stilisierte Waage erkennen. Zwei Schalen stehen miteinander in Beziehung und können nur dann im Gleichgewicht bleiben, wenn die Kräfte auf beiden Seiten berücksichtigt werden. Die Waage erinnert damit daran, dass es nicht darum geht, alles gleich zu machen, sondern unterschiedliche Bedürfnisse und Gegebenheiten angemessen miteinander in Einklang zu bringen.
Das Symbol lässt sich zusätzlich als Bild eines Sonnenuntergangs verstehen. Damit wird eine unmittelbare Verbindung zum Deszendenten (= 7. Haus in Analogie zum Zeichen Waage) hergestellt. Während am Aszendenten (= 1. Haus) die Sonne aufgeht und symbolisch „Ich“ sagt, begegnet sie im Gegenpol am Deszendenten dem „Du“. Die Sonne, die in der Waage vom Tag in die Nacht sinkt, wird so zum Bild für den Übergang von der Selbstbezogenheit zur Begegnung mit dem Gegenüber. Das eigene Ich tritt zurück und macht Raum für das Du. Das Licht der Sonne verschwindet nicht wirklich, sondern wechselt lediglich die Seite und bestrahlt den Teil der Erdkugel, der unterhalb des Horizonts liegt.
Alle Beschreibungen deuten auf eine Persönlichkeit hin, die ihre Erfüllung darin findet, Beziehungen zu gestalten, unterschiedliche Standpunkte miteinander zu verbinden, für Ausgleich zu sorgen und eine Welt zu schaffen, in der Verschiedenheit nebeneinander bestehen kann. Gleichzeitig erinnert der Waage-Archetyp daran, dass wirkliche Harmonie nicht durch die Vermeidung von Konflikten entsteht. Wahre Ausgewogenheit entsteht dort, wo die eigenen Bedürfnisse ebenso ernst genommen werden wie die des Gegenübers und wo die Bereitschaft besteht, Spannungen auszuhalten, ohne die Verbindung aufzugeben.













